УДК 802/809.1

R.M. Skornyakova

DEUTSCHE NEOLOGISMEN IM BEREICH DER ARBEITSWELT

Kemerovoer Staatliche Universitat

1. Begriff der Neologismen

Unter Neologismen werden traditionell neue Wor-ter verstanden. Wenn man aber auf diesen Begriff na-her eingeht, so ergeben sich verschiedene Betrach-tungsweisen in Bezug darauf, was unter einem Neolo-gismus zu verstehen ist, und verschiedene Aspekte, unter denen Neologismen zu betrachten sind. Der erste Aspekt bezieht sich auf die Grunde, die zur Pragung von neuen Ausdrucken fuhren. Der wichtigste Grund besteht darin, dass neue Dinge und Sachverhalte neue Benennungen erforderlich machen. Von E. Rosen werden Neologismen als Spiegel der veranderlichen Welt bezeichnet [1, S. 10]. Neologismen sind Resultate der rasanten wirtschaftlichen und sozialen Veranderungen, der wissenschaftlichen und technischen Neuerungen und der sich daraus ergebenden Benennungsbedurfnis-se. Die Bildung von Neologismen spiegelt die histo-risch-sozial determinierten Verhaltnisse eines Landes, einer Nation wider. Die heutigen linguistischen For-schungen heben die Wechselwirkung zwischen der Sprache und der Gesellschaft hervor. Die Entwicklung der Sprache vollzieht sich bekanntlich im engen Zu-sammenhang mit der Entwicklung der Gesellschaft. Verandern sich die gesellschaftlichen Verhaltnisse, wirkt sich das auf den Inhalt der Kommunikation und auf das Denken und folglich auch auf die Sprache aus.

Ein weiterer wichtiger Grund ist die Pragung eines neuen Ausdrucks fur Bekanntes und bereits Benanntes mit dem Ziele, der Benennung eine neue stilistische Note zu geben. So hat der Neologismus der Einmaljob im Vergleich zu dem gebrauchlichen Wort die Zeitar-beit eine umgangssprachliche Schattierung. AuBerdem entstehen des ofteren zunachst mehrere konkurrierende Benennungen, von denen sich auf Dauer eine Benen-nung durchsetzt. Mehrfachbenennungen konnen zu fei-nen Differenzierungen der Bedeutungen und Verwen-dungszusammenhange fuhren. Niedrig bezahlte Ar-beitsplatze stellen beispielsweise mehrere entlehnte, hybride und deutsche Benennungen dar, die dank un-terschiedlicher Motivierung Bedeutungsnuancen auf-weisen, vgl.: schlecht bezahlte Dienstleistungen, die Niedriglohnarbeiten, die Minijobs, die McJobs.

Der zweite Aspekt zieht die Klassifizierung von Neologismen nach ihrer Form in Betracht. Grundsatz-lich gibt es zwei Auffassungen von Neologismen in der modernen Linguistik. Nach der engen Auffassung ver-steht man unter Neologismen Wortschopfungen, d.h. lexikalische Einheiten, die aus einem Wort bestehen,

das sich durch eine neue Form und Bedeutung aus-zeichnet. Nach der weiten Auffassung zahlt man zu den Neologismen nicht nur neu aufgekommene Worter, sondern auch andere Gruppen der Lexik. Th. Schippan definiert diesen Begriff wie folgt: „Als Neologismen werden gewohnlich Neubildungen (nach Wortbil-dungsmodellen gebildete Worter) und Wortschopfungen (erstmalige Verbindungen von Formativen und Bedeutungen) bezeichnet, so lange sie von der Ge-meinschaft als neu empfunden werden oder wenn die Entstehungszeit bekannt ist“ [2, S. 257]. Die Verfasser des Worterbuchs „Neuer Wortschatz. Neologismen der 90er Jahre im Deutschen“ geben die folgende Definition: „Ein Neologismus ist eine lexikalische Einheit bzw. eine Bedeutung, die in einem bestimmten Abschnitt der Sprachentwicklung in einer Kommunikationsge-meinschaft aufkommt, sich ausbreitet, als sprachliche Norm allgemein akzeptiert und in diesem Entwick-lungsabschnitt von der Mehrheit der Sprachbenutzer uber eine gewisse Zeit hin als neu empfunden wird“ [3,

S. 12].

In diesem Artikel vertreten wir die weite Auffas-sung von Neologismen, die uns die Moglichkeit gibt, ein breiteres Spektrum der neuen Lexik zu erfassen. Zusammenfassend betrachten wir als Neologismen fol-gende Gruppen der Lexik:

1) Wortschopfungen (ein Wort mit einer neuen Form und Bedeutung);

2) Wortbildungen (nach Wortbildungsmodellen gebildete Worter - Ableitungen und Komposita);

3) Phraseologismen (eine Wortverbindung mit einer neuen Form und Bedeutung);

4) Neubedeutungen oder semantische Neologismen (an eine bereits bestehende Wortform gebundene neue Bedeutung);

5) Entlehnungen (ein aus einer anderen Sprache stammendes Wort oder ein aus Elementen einer ande-ren Sprache gebildetes Wort);

6) Abkurzungen (ein neues Wort in der Kurzel-form).

Der dritte Aspekt befasst sich mit der Frage nach den Kriterien, welche Ausdrucke als Neologismen zu betrachten sind. In den angefuhrten Definitionen wird unterstrichen, dass Neologismen von Sprachbenutzern in einer gewissen Zeitperiode als neu empfunden wer-den mussen. Es ist anzumerken, dass an der Universitat Tubingen das Projekt „Wortwarte - Neologismen“ aus-gearbeitet ist. Zu den Aufgaben der Wortwarte gehort

es, die Entwicklung des deutschen Wortschatzes zu be-obachten und daruber zu berichten. Das Projekt umfasst zurzeit eine Sammlung von Neologismen, die taglich auf Grund der Internetausgaben solcher Zeitungen und Zeitschriften wie „Der Spiegel“, „Die Zeit“, „Die Welt“, „Deutschland“ etc. aktualisiert und per Internet zugang-lich ist. Die Projektleiter L. Lemnitzer und T. Ule be-trachten als Neologismen Worter in der Phase vor der Lexikalisierung, d.h. neue Ausdrucke von dem Zeit-punkt ihrer Entstehung bis zum Zeitpunkt ihrer lexiko-graphischen Behandlung [4]. Eine groBe Zahl von Neologismen bleibt nur kurze Zeit im Sprachgebrauch, wird nicht usuell. Andere Neologismen dagegen gehen nach relativ kurzer Zeit in den Sprachgebrauch ein, werden allgemein bekannt und gehoren zum Grundwortschatz.

Die Arbeitswelt ist ein wichtiger Bestandteil des sozial-gesellschaftlichen Lebens jeder Gesellschaft. Veranderungen in der Sphare der Arbeit finden ihren Niederschlag in den Neologismen. Das kognitive Po-tenzial der Neologismen besteht dabei darin, dass sie die Ergebnisse der Erkenntnistatigkeit der Menschen im Bereich der Arbeit festsetzen. Das kulturelle Poten-zial der neuen Worter ist dadurch bedingt, dass sie die deutsche Kultur reprasentieren, indem sie die neuen Trends im gesellschaftlichen Leben Deutschlands zum Ausdruck bringen.

2. Quellen der Neologismen

2.1. Arbeitslosigkeit

Fur die Arbeitswelt des heutigen Deutschland sind einige Trends charakteristisch, die von solchen Er-scheinungen verursacht werden wie Globalisierung, demographische Probleme, Arbeitslosigkeit. Die neuen Trends rufen neue Benennungen hervor, die sich auf verschiedene Aspekte der beruflichen Tatigkeit bezie-hen. Eine Reihe von Neologismen ist mit der Arbeits-losigkeit verbunden. Nach einer reprasentativen Um-frage vom Herbst 2004 ist die hohe Arbeitslosigkeit fur die Deutschen der wichtigste Anlass zur Sorge. Der ho-hen Zahl von Erwerbstatigen stehen in der BRD uber vier Millionen Arbeitslose gegenuber, darunter zehn Prozent Jugendliche. Hinzu kommen schatzungsweise 2.5 Millionen Erwerbslose, die nicht in der offiziellen Statistik auftauchen [5].

Proteste gegen den Personalabbau fuhren zur Bil-dung von sogenannten euphemistischen Neologismen. Dazu gehoren beispielsweise solche Worter und Wort-verbindungen wie schlanke Produktion, schlanker Staat, verschlanken, die Schlankheitskur. Ihnen liegt das Adjektiv schlank in der ubertragenen Bedeutung zugrunde. Durch diese Neologismen bezeichnet man solch eine Produktionsstrategie, bei der die Arbeits-platze abgebaut werden. Dank diesen Euphemismen versucht man, eine negative gesellschaftliche Reaktion auf diese MaBnahmen zu mildern. Der deutsche Schrift-steller R. Schutzbach auBert sein Verhaltnis zu dieser Produktionsstrategie in dem folgenden Aphorismus:

Alle rufen nach dem schlanken Staat. Und keiner furch-tet, es konne dabei ein durrer Staat herauskommen. Zu demselben Zweck dienen auch die folgenden euphemi-stischen Neologismen: anstatt des Wortes die Entlas-sung werden in den deutschen Massenmedien die Eu-phemismen die Freisetzung, sozialvertmglicher Stel-len-/Arbeitsplatzabbau, die Personalentsorgung (vgl. die Entsorgung in der wortlichen Bedeutung - Beseiti-gung von Mull, Abfallstoffen) bevorzugt.

Das Problem der Arbeitslosigkeit in Deutschland hat auch Neologismen in der Form von Abkurzungen ins Leben gerufen. Es ist bemerkenswert, dass diese Abkurzungen fur die meisten Deutschen verstandlich sind, weil dieses Problem heutzutage akut ist: ABM -die Arbeitsbeschaffungsmafinahme. Das brennende Problem bewegte den Publizisten H. Friedman dieses Kurzel anders zu interpretieren und auf dieser Grundla-ge einen ironischen Aphorismus zu schaffen: ABM = Arbeit bleibt Mangelware. In diesem Sinne wird die heutige deutsche Gesellschaft durch den Neologismus die Arbeitsmangelgesellschaft bezeichnet. MaBnahmen zur Unterstutzung der Arbeitslosen illustrieren die Ab-kurzungen ALG - das Arbeitslosengeld und ALU - die Arbeitslosenunterstutzung, die als Komponente in ei-ner Reihe von zusammengesetzten Neubildungen auf-treten: der ALG/ALU - Antragsteller, der ALG/ALU -Empfmger. Die betreffenden Kurzelworter sind aufs Engste mit solch einem aktuellen Begriff verbunden wie Hartz IV, der ein semantischer Neologismus ist. Es geht dabei um viertes Gesetz fur Reformen am Arbeits-markt, das nach Peter Hartz, dem Personalvorstand der VW AG, genannt ist. Dieses Gesetz ist in Deutschland am 1. Januar 2005 in Kraft getreten. Der Inhalt des Ge-setzes besteht in der Zusammenlegung von Arbeitslo-sen- und Sozialhilfe mit dem Ziel von Abbau der Lang-zeitarbeitslosigkeit. Laut diesem Gesetz gilt die Regel-leistung: 345 Euro monatlich in Westdeutschland und 331 Euro monatlich in Ostdeutschland. Das Konzept sieht die Einrichtung von Job-Centern vor und zwingt erwerbsfahige Hilfsbedurftige alles zu tun, um ihre Ab-hangigkeit von staatlicher Unterstutzung so schnell wie moglich zu beenden. Wer eine zumutbare Arbeit ab-lehnt, muss mit Kurzungen der Hilfeleistungen rech-nen. Die negative Reaktion der deutschen Gesellschaft auf dieses Gesetz findet den Ausdruck in dem Aphoris-mus von W. Meurer: Unsere Gesellschaft hat jungst einen ‘Hartz-Infarkt’erlitten und liegt jetzt auf der so-zialen Intensivstation. Im Jahre 2005 und im Januar 200б entstanden in der deutschen Sprache zahlreiche Ableitungen und Komposita mit der Komponente Hartz IV: der Hartzempfinger, der Hartz IV-ling, der Hartz - Betrug, der Hartz -IV-Simulant, der Hartz - IV - Detektiv, das Hartz - IV- Hochhaus.

2.2. Neue Arbeitsformen

Zur Entstehung von Neologismen tragen auch neue Arbeitsformen bei, die fur die gegenwartige Situation

am Arbeitsmarkt Deutschlands kennzeichnend oder fur die Zukunft ausgearbeitet sind. Wie bekannt, befindet sich die Welt und insbesondere Deutschland zurzeit im Ubergang von der Industrie- zur Informations- und Dienstleistungsgesellschaft. Das Haupthandwerkszeug der Informationsgesellschaft ist der Computer. In die-sem Zusammenhang immer aktueller wird solcher Be-griff wie die Telearbeit. Das Wesen dieser Arbeitsform besteht darin, dass der Arbeitnehmer zu Hause, z.B. am Computer, Arbeiten fur ein Unternehmen erledigt. Die-se Arbeitsform hat auch andere Bezeichnungen bekom-men, die ihre Spezifik zum Ausdruck bringen: entfern-te Arbeit und die Klickarbeit. H. Horstkotte betrachtet die Telearbeit als eine aussichtsreiche Arbeitsform der Zukunft. Der Sektor Telearbeit zahlte Mitte der neunzi-ger Jahre in Deutschland 150.000 Menschen. Das Insti-tut der deutschen Wirtschaft rechnet in der Zukunft mit einem Potential von drei Millionen Telearbeitsplatzen [б, S. 3]. Es wird betont, dass das Internet die Arbeit und damit das Leben verandert. Dadurch entsteht eine neue Art der Arbeiterschaft, die durch das Lexem das Klickproletariat benannt wird.

Die weitere Arbeitsform der Zukunft bezieht sich auf verschiedene Arten, die auBerhalb der herkommli-chen Erwerbsarbeit liegen. Im Konzept von U. Beck wird eine neue Arbeitsform als die Burgerarbeit be-zeichnet [7, S. 47]. Unter der Burgerarbeit wird eine ehrenamtliche, offentliche Arbeit fur das Gemeinwe-sen verstanden. Der Soziologe U. Beck will die Burgerarbeit belohnt, aber nicht entlohnt sehen. Statt eines Lohns bekommt der Burgerarbeiter Sozialhilfe und als Motivationsstutze eine gesellschaftliche Anerkennung. Der Arbeitswissenschaftler und Zukunftsforscher H. Saiger hat das Konzept einer “Funf-Arbeiten-Ge-sellschaft” entwickelt, das auf den Pfeilern Erwerbsar-beit, Eigenarbeit, Burger-zu-Burger-Arbeit, Gemein-sinnarbeit und Bildungsarbeit grundet [В, S. 21]. Diesem Konzept steht solcher Begriff wie die Mischarbeit nahe, dessen Grundgedanke in der Idee fokussiert ist, dass alle Arbeiten, die ein Mensch erledigt, zu beruck-sichtigen sind. Beispielsweise muss in der Frauenarbeit sowohl Erwerbsarbeit, als auch Hausarbeit in Betracht gezogen werden.

2.3. Neue Formen der Arbeitsentlohnung

Zu den Quellen von Neologismen gehoren auch neue Formen der Arbeitsentlohnung. Durch den ent-lehnten Neologismus die McJobs (Assoziation zu McDonalds) bezeichnet man niedrig bezahlte Arbeitsplat-ze wie Putzen, Kinder huten, Koffer tragen oder Waren im Supermarkt einpacken. Ahnliche Bedeutung haben synonymische Neologismen deutscher Herkunft: schlecht bezahlte Dienstleistungen, die Niedrigloh-narbeiten und die Hybridbildung die Billigstjobs. Seit dem Jahre 2003 ist auch eine entlehnte Neubildung die Minijobs bekannt. Zurzeit existiert in der deutschen Sprache eine ganze Reihe der mit diesem Wort gebilde-

ten Bezeichnungen: der Minijobber, die Mini-Jobber-Regelung, der Minijobverweigerer, das Minijob-Ge-setz. Einerseits betrachtet man die McJobs als eine Moglichkeit, Arbeitsplatze zu schaffen und dadurch den Langzeitarbeitslosen zu helfen. Andererseits zeugt die Tatsache, dass der Mensch von schlecht bezahlten Dienstleistungen leben muss, davon, dass er das Zeug zum Selbstandigen nicht hat, nicht anpassungsfahig in der modernen Gesellschaft ist. In den letzten drei Jah-ren erscheinen in der deutschen Sprache Neubildungen nach dem Modell der Komposita, die die Entlohnung der Niedriglohnarbeiten konkretisieren: der 4QQ-Euro-Jobber (ein Mensch, der im Monat 400 Euro verdient), der Ein-oder-Zwei-Euro-Job, der 1-Euro - Jobber, der Ein - Euro -Dienst (in den letzten drei Benennungen wird der Lohn fur eine Stunde gemeint). Seit dem Ja-nuar 200б wird in den deutschen Massenmedien uber ein neues Niedriglohnmodell diskutiert, das folgende Neologismen mit sich gebracht hat: der Kombilohnjob, der Kombilohnbereich, der Kombilohnarbeitsplatz. Dieses Modell beabsichtigt, die Geringverdiener etwa von Sozialbeitragen zu befreien. Dadurch entstehen subventionierte Kombilohnjobs. Fur viele Menschen lohnt es sich nicht, eine schlecht bezahlte Arbeit zu ubernehmen, weil sie Langzeitarbeitslosen-Unterstut-zungsleistungen verlieren. Falls der Staat sie weiter unterstutzt, obwohl sie arbeiten, konnen viele von ih-nen zu niedrigeren Lohnen beschaftigt werden. Im „Ta-gesspiegel“ behauptet man, dass ein staatlich unter-stutzter Kombilohnbereich schlecht bezahlte Arbeit in Deutschland ertraglich machen und dafur sorgen wird, dass diese Arbeit legal erledigt wird.

2.4. Flexibilisierung der Arbeitszeiten

Das heutige Arbeitsleben Deutschlands charakteri-siert sich durch solch einen Trend wie Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat solches Phanomen wie die Teilzeitarbeit ins Leben gerufen. Die Teilzeitarbeit umfasst keinen vollen Ar-beitstag bzw. nicht alle Tage der Woche. Diese Er-scheinung in der Arbeitswelt Deutschlands hat zur Bil-dung von folgenden Neologismen gefuhrt: der Teilzeit-job, teilzeitbeschaftigt, der/die Teilzeitbeschaftigte, die Teilzeitkraft, die Teilzeitstelle. Die Arbeit kann auf die Halfte der normalen Arbeitszeit zugeschnitten werden. Es handelt sich dabei um die Halbtagsarbeit, den Halb-tagsjob, die Halbtagsbeschaftigung, die Halbtagskraft. AuBerdem gibt es noch die sogenannte geringfugige Beschaftigung - Arbeitsverhaltnis mit kleiner Stunden-zahl. Zu den geringfugig Beschaftigten zahlen Studen-ten, Rentner, Hausfrauen oder Personen mit geringem Einkommen und Zweitjob, die im Monat bis zu б00 Euro verdienen. Ihre Zahl liegt zwischen 4 und 5 Mil-lionen. Seit dem 1. August 199б ist in Deutschland das Gesetz zur Altersteilzeitarbeit in Kraft getreten. Nach diesem Gesetz konnen die Vollzeitbeschaftigten mit 55 Jahren ihre Arbeitszeit halbieren - mit geringen Verlu-

— 2В —

sten fur die Rente. Gangig ist auch ein anderes Modell: Die Arbeitnehmer bleiben bei Vollzeit und gehen zwei-einhalb Jahre fruher in den Ruhestand. H. Horstkotte vertritt die Meinung, dass die Bundesregierung mit die-sem Gesetz drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen versuchte. Erstens sollte so dem Wunsch alterer Arbeit-nehmer nach gleitendem Ubergang in den Ruhestand nachgekommen werden. Zweitens: Allere Mitarbeiter sollten bei angemessenem Verdienstausgleich ihre Stel-le fur Jungere freimachen. Und drittens sollte uber die-sen Weg die bisherige Praxis der kostspieligen Fruhver-rentung gestoppt und die Rentenversicherung entlastet werden [б, S. 10]. Nach einer anderen Ansicht wird die Zeitperiode seit der Einfuhrung dieses Gesetzes bis Ende Dezember 2005 als die Altersteilzeitneurose be-zeichnet, weil in deutschen Massenmedien diesem Problem zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Eines der gangigen Modelle im Rahmen des Trends zur Flexibilisierung der Arbeitszeiten heisst die glei-tende Arbeitszeit. Nach Angaben des Worterbuchs der deutschen Umgangssprache existiert dieses Fachwort im Deutschen seit dem Jahre 1975 [9, S. 299]. In den letzten Jahrzehnten wurde das Konzept der gleitenden Arbeitszeit weiterentwickelt. Im gegebenen Zusam-menhang entstand ein neuer Begriff - das Arbeitszeit-konto (Assoziation mit dem Bankkonto). Die Arbeit-nehmer verfugen heute uber Arbeitszeitkonten, in de-nen Mehrarbeit und Freischichten jahrweise miteinan-der verrechnet werden. Diese Form der Flexibilisierung der Arbeitszeit hat deshalb auch die Benennung die Vertrauensarbeitszeit erhalten. H. Horstkotte deutet darauf hin, dass dieses Modell zum Beispiel in der Au-tomobilindustrie, aber auch in der SuBwarenindustrien gilt. Vor Festtagen wird Schokolade rund um die Uhr hergestellt. Zu anderen Zeiten, besonders im Sommer, konnen die Mitarbeiter das jenseits der Normalarbeits-zeit von 35 Wochenstunden geleistete Arbeitspensum abfeiern [б, S. 9]. Die Weiterentwicklung des Modells findet ihren Niederschlag in einer besonderen Form der Arbeitszeitkonten, in den Zeitwertkonten. Hier geht es nicht nur darum, Mehrarbeit in Urlaub umzuwandeln, sondern wie bei der betrieblichen Altersversorgung kann der Arbeitnehmer Teile seines Gehalts, Pramien oder auch das Weihnachtsgeld in diese Anlageform in-vestieren. Je nach Dauer der Anlage sammelt sich ein Guthaben an, aus dem eine befristete Auszeit, ein Teil-zeitjob oder der vorzeitige Eintritt in den Ruhestand entstehen kann - ohne GehaltseinbuBen (Die Zeit).

Das moderne Deutschland wird auch von solcher Erscheinung wie die Zeitarbeit gepragt, unter der befri-stete Arbeit gemeint ist. Den Arbeitnehmer, der eine befristete Arbeit erledigt, bezeichnet man durch fol-gende Lexeme: die Zeitarbeitskraft, der Zeitarbeiter, die Zeitarbeiterin. Fur Stellensuchende ist die Zeitarbeit ein ideales Sprungbrett in die feste Anstellung. In dieser Hinsicht ist auch der Neologismus die Leihar-

beit von groBem Interesse. Das ist ein Arbeitsverhalt-nis, bei dem ein Arbeitnehmer fur eine begrenzte Zeit im Betrieb eines anderen Arbeitgebers arbeitet, ohne dass das Arbeitsverhaltnis mit dem bisherigen Arbeit-geber gelost wird. Die Arbeitnehmer solcher Art heiBen der Leiharbeiter, die Leiharbeiterin, der Leiharbeit-nehmer, die Leiharbeitnehmerin.

2.5. Folgen der neuen Trends fur Arbeitnehmer

Die neuen Trends in der Berufswelt haben tiefgrei-fende Folgen fur Arbeitnehmer. Eine der Folgen ist Ver-anderung der Biographien der Menschen. M. Bechtel weist darauf hin, dass fruher ein Mensch lebenslang in einem Unternehmen tatig war, jetzt soll er auf haufigen Wechsel nicht nur des Arbeitsplatzes, sondern auch des Berufes und lebenslanges Lernen eingestellt sein [10,

S. 1]. In diesem Sinne stehen einander solche Begriffe gegenuber wie die Dauerstellung, lebenslange Arbeit und der Lebensabschnittsjob. Das letzte Wort ist ein Neologismus, der eine neue Realie im gesellschaftli-chen Leben Deutschlands darstellt. Solche Situaluon auf dem Arbeitsmarkt hat Entsprechungen in der deut-schen Geschichte. “In der Nachkriegszeit wurden mas-senhaft berufliche Wege beschritten, die wir heute als “Patchwork-Biographien” bezeichnen wurden. Wah-rend des Wirtschaftswunders wechselten die Leute ofter den Job als heute, weil es leicht war, eine neue Stelle zu finden” [5]. In dem neuen bildlichen Wort die Patch-work-Biographie dient die erste Komponente als Grund-lage fur die Bildung von weiteren Neologismen: die Patchwork-Lebens-Karriere, der Patchwork-Partner.

Da es immer weniger sichere, lebenslangliche Stam-marbeitsplatze gibt, da es ein Mann allein also nicht mehr schafft, eine ganze Familie auszuhalten, mussen Frau und Mann verdienen. Schon heute gibt es dafur einen Begriff - die Feminisierung der Arbeit. Das be-deutet einerseits, dass die Unternehmen auf die demo-graphische Entwicklung in Deutschland reagieren. Da-durch, dass die Bevolkerung weiter schrumft, verscharft sich der Mangel an Fachkraften. Unternehmen, die dann nicht Frauen als wertvolle Arbeitskraft entdecken, wer-den keine Mitarbeiter mehr finden. Deshalb spricht man von der weiblichen Job-Offensive in Deutschland [11]. Andererseits verandern sich der Charakter und Organisation der Arbeit. M. Held betont, dass die Feminisierung der Arbeit nichts anderes bedeutet, als dass Manner in Zukunft ihr Arbeitsleben so organisieren mussen, wie wir Frauen das schon immer getan haben: flexibel, kommunikativ, teamorientiert, fantasievoll [12, S. 12В]. Die Fahigkeit, mal einen Job erledigen, aussteigen, mal an einem Projekt mitzuarbeiten, mal Arbeitslosigkeit erleben, sich umschulen lassen, in einen neuen Beruf einsteigen, mal Teilzeitarbeit haben wird mit dem neu-en Wort weiche Intelligenz bezeichnet.

3. Fazit

Es ist wichtig zu beachten, dass die Forschung von Neologismen ermoglicht, den Bereich der Arbeitswelt

als dynamisches Phanomen zu erschlieBen, seine Evo- dadurch neue Trends im Bereich der Berufswelt des lution von der Gegenwart zu der Zukunft zu verfolgen. deutschen Volkes.

Neologismen fokussieren Resultate der Erkenntnis und Поступила в редакцию 3Q.Q1.2QQ?

Literatur

1. Розен Е.В. На пороге XXI века. Новые слова и словосочетания в немецком языке. М., 2000.

2. Schippan Th. Lexikologie der deutschen Gegenwartssprache. Leipzig, 1987.

3. Herberg D., Kinne M., Steffens D. Neuer Wortschatz. Neologismen der 90er Jahre im Deutschen. Berlin, New Jork, 2004.

4. Lemnitzer L., Tylman U. Wortwarte - Neologismen. Einleitung. http://www.sfs.nphil.uni-tuebingen.de/~lothar/nw/Projekt/index.html

б. Roth E., Skowronowski Chr. Immer mehr Beschaftigte mussen sich ihre Stellen selbst erwirtschaften. Frankfurter Rundschau vom 20.03.2002.

6. Horstkotte H. Sozial ist, wer Arbeitsplatze sichert und schafft. Gewerkschaften und Arbeitgeber in Deutschland im Wandel // Basis-Info. Sozial-politik. № 4. Bonn, 1998.

7. Beck U. (Hrsg.) Die Zukunft der Arbeit und der Demokratie. Frankfurt/Main, 2000.

8. Saiger H. Die Zukunft der Arbeit liegt nicht im Beruf. Neue Beschaftigungs- und Lebensmodelle. Munchen, 1998.

9. Kupper H. Pons-Worterbuch der deutschen Umgangssprache. Stuttgart, 1990.

10. Bechtel M. Die Zukunft der Arbeit. Einsichten, Ansichten, Aussichten // Basis-Info. Sozialpolitik. № 30. Bonn, 2000.

11. Gillies C. Bereit fur die weibliche Job-Offensive. Der Tagesspiegel vom 21.04.2002. Nr. 16.

12. Held M. Die Zukunft der Arbeit. Brigitte. № 11, 1998.

УДК 802.0:800.863

М. Б. Дюжева

ПРОТЕСТ КАК ДОМИНАНТА МОЛОДЕЖНОЙ КУЛЬТУРЫ (НА МАТЕРИАЛЕ АНГЛОЯЗЫЧНЫХ НАЗВАНИЙ МУЗЫКАЛЬНЫХ ГРУПП)

Дальневосточный государственный университет, г. Владивосток

Молодежная культура на сегодняшний день -явление, признанное во всем мире и в то же время недостаточно изученное. В частности, мало исследованными остаются язык молодежи и отражение в нем системы ценностей данной субкультуры. Современное направление лингвистики - лингвокуль-турология - позволяет восполнить эти пробелы, предлагая качественно новый уровень исследования взаимодействия языка и культуры.

Традиционно молодежная культура (субкультура) противопоставляется общепринятой национальной культуре как имеющая собственную «систему норм и ценностей, отличающих группу от большинства обществ» [1, с. 332], как «своеобразный «сгусток» норм, идей, ценностей и идеалов в общем поле культуры» [2, с. 88]. Ряд исследователей считают онтологическим основанием молодежной субкультуры протест [3, с. 166; 4, с. 248; 5, с. 178]. Реализациями подобного отношения является большинство классических проявлений молодежной культуры: внешний вид, этика, искусство, язык и др. [2, с. 93]. Еще более открыто протест проявляется в виде молодежных демонстраций, бунтов, бродяжничества, увлечения ритуалами и мистикой, употребления наркотиков, суицидаль-

ных склонностей и т.д. [6, с. 302; 7]. Эти и прочие характеристики направлены на эпатаж социума в виде критики или отрицания общественных установок. В ходе истории молодежная субкультура нередко превращалась в контркультуру, когда ее ценности явно были противопоставлены принятым в обществе нормам (битники, хиппи, панки, металлисты и др.) [1, с. 344; 8, с. 322-323; 6, с. 302], а сама культура «культивировала протест против общества взрослых, его ценностей и авторитетов» [9].

Можно утверждать, что основой современной молодежной субкультуры является популярная музыка. Отчасти это объясняется тем, что «система символов и выразительных средств рок- и поп-музыки порождает некую внутреннюю готовность к противодействию кризисной ситуации, жизненно важную для любой молодежной группы. Это закономерно приводит к формированию особых субкультур, в которых музыкально-зрелищная форма рок- и поп-музыки перемещается из эстетического в чисто социальный контекст» [2:91].

Становление молодежной культуры шло одновременно со становлением современной рок-музыки. На данный момент оба феномена являются взаимозависимыми и дополняют друг друга. Не слу-